Willy Brandt in Porto – ein Freund der Demokratie wird verehrt

Eins gleich vorab: Portugal ist jede Reise wert! Nach der Algarve, Lissabon und dem Alentejo standen Porto und Coimbra auf meinem Reiseplan.

Porto

Porto ist bekannt als Heimat des Portweins und als Ausgangspunkt für Wandernde, die sich von Süden aus auf den Jakobsweg nach Santiago de Compostela begeben. Die Stadt am Atlantik hat Flair. Natürlich scheint noch aus vielen Gebäuden der Glanz der vergangenen Kolonialzeit, manches restauriert, anderes mit morbidem Charme. Die blau-weißen Kacheln schmücken Kirchen, Klöster und Paläste und erzählen unterschiedliche Geschichten über Land und Leute. Flanieren und verweilen in der Altstadt macht ebenso viel Spaß wie eine einstündige Brückenfahrt auf dem Douro, bei der man unter anderem unterhalb einer dramatisch schönen Stahlbrücke von Gustave Eiffel hindurchfährt.


Nelken verhindern einen Bürgerkrieg

Mit der Demokratiebildung in Portugal vor nunmehr 50 Jahren ist der deutsche Politiker Willy Brandt eng verbunden. Seine Büste findet sich auf einem Denkmal umgeben von rotblühenden Blumen in der Rua de Rio. Mit seiner Person und seinem Einfluss unterstützte er ab 1973 das Land und den Aufbau dessen Sozialistischer Partei nach dem Ende der über vierzigjährigen Diktatur. Diese hatte das Land zu Angst, Armut und Rückständigkeit verdammt. Selbst die Schulpflicht geriet ins Wanken, wurde teilweise nur noch in den Städten umgesetzt.


Willy Brandt lenkte den Blick der europäischen Schwesterparteien – allen voran den der SPD – auf die sich reformierende politische Bewegung in Portugal, die zwischen Linken und nationalistischen Kräften hin und her gerissen wurde. Außerdem war Portugal unter dem faschistischen Einfluss zu dieser Zeit die letzte agierende Kolonialmacht Europas und führte in Afrika über zehn Jahre lang verschiedene hoffnungslose Kriege gegen die Befreiungsbewegungen zum Beispiel in Angola und Mosambik.

Die Unterstützung der Reformbewegung hat sich gelohnt: Die sogenannte Nelkenrevolution war ein friedliches Aufbegehren von Bevölkerung und Militär. Das berühmte Lied der portugiesischen Nelkenrevolution „Grândola, Vila Morena“ von José „Zeca“ Afonso leitete die friedliche Revolution am 25. April 1974 ein, die in Portugal selbst, aber auch in Angola und Mosambik das Ende der alten Herrschaft bedeutete. Die Blumenverkäuferinnen und Bürger Lissabons steckten den Soldaten Nelken in ihre Gewehrläufe. Das faschistische Portugal wurde auf der Straße abgewählt. Wie bei allen Revolutionen brauchte auch dieser Neubeginn überzeugende Politik, wozu auch schnell wirksame Maßnahmen gehören. Diese benötigen Finanzierung. In dieser Situation war Willy Brandt Freund und Förderer, er signalisierte und sicherte solidarische Unterstützung. Einerseits durch europäische Zusagen, andererseits durch direkte Geldmittel aus der Friedrich-Ebert-Stiftung, der ältesten politischen Stiftung Deutschlands. Es heißt, damit konnten weitere Unruhen und möglicherweise sogar ein Bürgerkrieg verhindert werden. Die portugiesische Demokratie wirkt auch heute in ihrem fünfzigsten Jahr weiterhin stabil. Und Portugal ist unzweifelhaft ein Glanzstück Europas. 

Die Freundlichkeit und Vitalität der Stadt Porto hat etwas Erfrischendes. Es wird hart gearbeitet, das erkennt man auch am gastronomischen Angebot und am Service für die Touristen. Doch irgendwann werden die Stühle zusammengestellt, denn ein gebührender Feierabend für die Beschäftigten ist den Touristen durchaus zuzumuten. So scheint es. Und so fühlt es sich auch richtig an. 

Coimbra

Das weniger bekannte portugiesische Juwel Coimbra weist eine der ältesten Universitäten und Bibliotheken Europas auf. Hoch gelegen, oberhalb der Altstadtgassen, mit Blick auf den Fluss Mondego vom großzügigen Universitätsplatz. Buchbare Zeitfenster regulieren die Besucherströme, die sich einen Blick in die barocke Bibliothek nicht nehmen lassen wollen. Es lohnt sich für alle Menschen, die sich an Büchern oder kulturellem Erbe erfreuen können. Wer ein Getränk oder ein Mittagessen braucht, setzt sich einfach mitten unter die Studierenden in die Universitätsmensa. Hier sitzen Studierende und internationale Touristen gemeinsam bei einem typisch portugiesischen Tellergericht. 

Die teilweise vergoldete Biblioteca Joanina, die der bildungsinteressierte König João (Johann V. von Portugal) von 1717 bis 1728 erbauen ließ, verbindet Kultur und Stil vom Feinsten. Der Bestand der Bibliothek umfasst knapp 60.000 kostbare Bücher in drei miteinander verbundenen Sälen. Beeindruckend sind neben dem barocken Glamour die maßgeschneiderten Regale und Vorrichtungen aus massiven Edelhölzern, die bis unter die Decke reichen – ein Prunkstück für das Auge. Und beinahe abenteuerlich ist die Vorstellung, dass hier Fledermäuse die Bücher vor Schaden bewahren, indem sie diese frei von schädlichem Getier halten. Ein wahrhaft nachhaltiges Ökosystem! 


Die Musik der Seele

Ausdruck von Melancholie und starken Gefühlen: Dazu dient eine in Portugal und über seine Grenzen hinweg bekannt gewordene Musikrichtung, der Fado. Auch wenn der „wahre“ Fado seinen Ursprung im Armenviertel Mouraria von Lissabon haben soll, hier in Coimbra wird der Fado de Coimbra bis heute ebenso zelebriert, insbesondere durch die Studierenden, die ihre Freude an der Tradition, aber auch an der sehr eigenen Liedkultur zum Ausdruck bringen. 


Fazit

Es war eine Reise ins südwestliche Europa vom Feinsten – Wiederholung garantiert ...   


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